Direktvermarktung in Oberösterreich boomt
Die Direktvermarktung (DV) hat bei den oberösterreichischen Landwirten einen hohen Stellenwert. 1.888 bäuerliche Betriebe bieten ihre Lebensmittel mittlerweile auf dieser Vertriebsschiene an. Die größten Produktionszweige sind Fleisch (52% der DV), gefolgt von alkoholischen Getränken (33,5%) und Milch und Milchprodukten (23,9%), diversen Säften und Eiern.
Je nach Produktpalette und Produktionsumfang werden Teile oder die gesamten "Urprodukte" eines Hofes verarbeitet und vermarktet. Auf diesem Weg erzielen bundesweit bereits 13% der Landwirte mehr als ein Fünftel ihres Einkommens. "Die Direktvermarktung ist für unsere Betriebe zu einem wichtigen Einkommensstandbein geworden, denn immer mehr heimische Konsumenten schätzen regional produzierte Lebensmittel, vor allem wegen ihrer hohen Qualität", erklärte Landwirtschaftskammer-Präsident Hannes Herndl bei einer Pressekonferenz in Linz. Der persönliche Kontakt zum Produzenten sei ein weiterer Erfolgsfaktor der bäuerlichen Direktvermarktung und mache den Einkauf zu einem Erlebnis.
"Mit dem großen Angebot an Lebensmitteln aus persönlichen, traditionellen und kreativen Rezepturen schaffen es die Direktvermarkter, die Kundenwünsche zu erfüllen", weiß Herndl. Und die Produktpalette wächst ständig. Mittlerweile reicht sie von Bauernhofeis, Asia Gemüse, küchenfertigem Lammfleisch in Blätterteighülle, Mostgelee, pikantem Rindfleischaufstrich über Apfel Frizzante bis hin zu wieder entdecktem Kübelspeck und dem nach wie vor beliebten Bauernbrot.
Vermarktet werden die Produkte zu 80% ab Hof, über Zustellungen (26,9%) - was für den LK-Präsidenten ein Zeichen für die hohe Dienstleistungsbereitschaft der Betriebe ist - und auf Bauernmärkten, von denen 47 über ganz Oberösterreich verteilt sind. 18,9% der Direktvermarkter bieten dort ihre Lebensmittel und den Konsumenten die breiteste Produktpalette an.
Einkauf beim Bauern bietet sichere Qualität
Neben der großen Produktvielfalt und den kundenfreundlichen Vermarktungswegen ist den oberösterreichischen Direktvermarktern vor allem die Produktion qualitativ hochwertiger Lebensmittel sehr wichtig. "Deshalb beteiligen sich immer mehr von ihnen an Produktprämierungen. Mit zunehmendem Erfolg, wie die stetig steigende Anzahl an Auszeichnungen sowie die neun "GenussKronen", die Oberösterreich bei der diesjährigen Verleihung dieser höchsten Auszeichnung für ein regionales Lebensmittel erlangt hat, beweisen", erläutert Maria Dachs, Leiterin der Abteilung Ernährung und Direktvermarktung in der LK OÖ.
Viele Bauernhöfe würden sich aber auch um die Teilnahme am Qualitätsprogramm von "Gutes vom Bauernhof" bemühen. Diese Marke darf nur von kontrollierten bäuerlichen Direktvermarktungsbetrieben geführt werden. Sie kennzeichnet besondere Lebensmittel, die garantiert aus bäuerlicher Produktion stammen. In Oberösterreich gibt es aktuell 272 "Gutes vom Bauernhof"-Betriebe. Alleine in den vergangenen drei Jahren haben sich 100 Direktvermarkter entschlossen, an dem Programm teilzunehmen.
Ständige Weiterbildung notwendig
Die Qualität der bäuerlichen Direktvermarktung ist eng mit Weiterbildung verbunden. Allein die speziellen Seminare des Ländlichen Fortbildungsinstitutes werden jährlich von 600 bis 800 Personen beziehungsweise 37% der Direktvermarkter besucht. Das Angebot reicht von produktionstechnischen Kursen über sensorische Weiterbildung bis hin zu Marketingseminaren. "Ausgezeichnete Qualität ist nur durch gezielte Schulung zu erreichen. Das ist unseren Bäuerinnen und Bauern bewusst, weshalb unsere Bildungsprogramme auch so einen großen Zulauf haben", so die Vermarktungsreferentin. Eine weitere Möglichkeit, sich das geforderte Wissen - vor allem zu gewerblichen Sachverhalten - anzueignen, wird den Landwirten durch die seit dem Jahr 2008 bestehende Bildungskooperation mit dem Lebensmittelcluster OÖ geboten.

