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3 Strategien für Wertschätzung in der Landwirtschaft

Zu Recht erwarten sich Bäuerinnen und Bauern Wertschätzung für ihre tägliche Arbeit auf dem Feld, im Wald oder im Stall. In unserem Wirtschaftssystem ist meist der Produktpreis der Ausdruck der Wertschätzung. Spätestens hier wird sichtbar, dass sich offenbar die Wertschätzung der bäuerlichen Arbeit nicht in einem leistungsgerechten bäuerlichen Einkommen widerspiegelt. Warum ist das so?

Jede Bäuerin, jeder Bauer muss sich fragen welchen Wert sie schaffen für den sie Wertschätzung erhalten möchten. Um das beantworten zu können braucht es ein Bewusstsein über die Wertschöpfungsstrategie des eigenen Betriebs.

WELCHEN Wert oder Nutzen schaffe ich für WEN?

Erst wenn ich als Unternehmer diese Frage beantworten kann, bin ich in der Lage unternehmerische Entscheidungen richtig zu treffen!

Für alle die ihren Betrieb als Kapitän in die Zukunft führen wollen und unternehmerisch denken und handeln gibt es jetzt die bäuerliche Innovationsgenossenschaft zukunft.farm eG.

Zukunft braucht Struktur und Organisation – genau das ist zukunft.farm. Gemeinsam gestalten wir die Zukunft der bäuerlichen Landwirtschaft – sei auch du dabei!”

Josef Rohregger – Gründer und Vorstand

Es gibt 3 zentrale Strategien zur Wertschöpfung

  1. Produktions Exzellenz

Wenn sich in dein unternehmerisches Denken viel um Effizienz und Kostenreduktion dreht, dann verfolgst du vermutlich gerade diese Strategie. Es geht darum die Prozesse fest im Griff zu haben. Automatisierung und Digitalisierung sind wichtige Elemente.

Kunden solcher Unternehmen sind sehr preissensibel und die Produkte sind in der Regel austauschbar.

Ziel ist die Kostenführerschaft.

Wertgeschätzt wird vom Kunden die Effizienz des Betriebes, die optimierten Prozesse und günstigen Produktionsbedingungen. Das Produkt steht bei der Wertschätzung eher im Hintergrund. Natürlich muss es eine bestimmte Qualität erreichen und auch den Kundennutzen befriedigen, aber der Fokus liegt darauf, dass es günstig ist.

Beispiele wären etwa ein Produzent von günstigen Werbekugelschreibern, ein Unternehmen das Rohöl fördert oder ein Urproduzent (Rohmilch, Getreide, …) in der Landwirtschaft. Solche Unternehmen schaffen für Ihre Kunden einen Wert durch eine kostenoptimierte Produktion.

  1. Produktführerschaft

Apple ist ein perfekter Vertreter dieser Strategie.

Das Unternehmen hat den Anspruch die besten Produkte zu liefern. Der Fokus liegt auf Innovation, neue Problemlösungen und neue Technologien. Es werden nicht die Erwartungen des Kunden erfüllt, sondern ganz neue Maßstäbe gesetzt, die sich der Kunde selbst gar nicht ausdenken könnte.

Preisdruck gibt es kaum. Prozesse müssen natürlich gut funktionieren, um exzellente Produkte zu ermöglichen, liegen aber nicht im Hauptfokus des Unternehmens. Kunden kaufen ein iPhone, weil sie ein Produkt von Apple haben wollen und nicht, weil sie ein Smartphone benötigen. Das Produkt ist also nicht 1:1 austauschbar.

Beispiele sind neben Apple, exklusive Automarken oder landwirtschaftliche Betriebe die hochwertig veredelte Produkte herstellen.

Ziel ist es, das beste Produkt zu liefern.

Wertschätzung bekommen solche Unternehmen für ihre Produkte, die Qualität, die Exzellenz der technischen Lösung und die Neuheit der verarbeiteten Technologien.

  1. Kundennähe

In dieser Strategie ist der Kunde wirklich König.

Kundenwünsche werden offen aufgenommen und gerne umgesetzt. Unternehmen mit dieser Strategie haben in der Regel eine große Produktvielfalt und engen Kontakt mit den Kunden. Kunden kaufen nicht unbedingt wegen der herausragenden Qualität oder den schnellen Prozessen, sondern wegen der guten Beziehung zum Produzenten und der Erfüllung individueller Wünsche und Anforderungen.

Ziel ist es, die Wünsche des Kunden bestmöglich zu erfüllen.

Viele Direktvermarkter leben diese Strategie, aber auch der Computerhersteller Dell ist damit erfolgreich. Kunden wertschätzen die Tatsache, dass auf ihre Bedürfnisse eingegangen wird und sie individuell wahrgenommen werden.

Drei Dinge sind zu betonen:

  1. Mit allen drei Strategien lässt sich gutes Geld verdienen.
  2. Von allen drei Elementen muss ein Mindestmaß erfüllt werden. Ganz ohne gute Prozesse, Kundenverständnis oder Produktqualität geht es nie.
  3. Man kann allerdings nur eine der drei Strategien fokussiert verfolgen. Kein Unternehmen kann zB gleichzeitig Produktions Exzellenz und Produktführerschaft leben.

Ein Problem taucht dann auf, wenn man zB für sein Produkt Wertschätzung vom Kunden erwartet, obwohl man die Strategie der Produktions Exzellenz verfolgt. Das ist leider in vielen bäuerlichen Betrieben der Fall. Der landwirtschaftliche Betrieb ist getrimmt auf Effizienz mit hoher Automatisierung, Schlagkraft und Auslastung, um einen Agrarrohstoff möglichst günstig produzieren zu können. Die Betriebsführer wünschen sich allerdings, dass die Konsumenten ihr Produkt wertschätzen, nicht die Prozesse. Das kann aber nicht funktionieren und führt unweigerlich zu Frust und Unverständnis.

Wertschätzung kann man vom Kunden nicht einfordern oder erzwingen, sie ist eine Folge einer klar verfolgten Wertschöpfungsstrategie die zu dir als Unternehmer und zu deinem Betrieb passt.

Stelle dir also immer die Frage welchen Werten du in der Ausrichtung deines Betriebes folgst. Wofür kannst du folglich Wertschätzung erwarten?

Wofür willst du bekannt sein? Für die effizientesten Prozesse, für das ausgezeichnetste Produkt oder für die größte Offenheit deinen Kunden gegenüber?

Als Unternehmerin und Unternehmer bist du gefordert die Wertschöpfungsstrategie zu wählen die deinen Überzeugungen und Werten entspricht! Auf diese Weise erfährst du die Wertschätzung die wir alle als Menschen und Unternehmer so dringend brauchen.

www.zukunft.farm

josef@zukunft.farm

Übrigens, Anfang April war ich bei Hannes Royer in Schladming und habe mich ausführlich zu diesem Thema und über Lebenslügen in der Landwirtschaft unterhalten.

Anfang Mai wird der Podcast veröffentlicht. Höre rein auf https://pod.link/landschafftleben!