NewsGeorgiens mühseliger Weg nach Europa

Georgiens mühseliger Weg nach Europa

Georgiens mühseliger Weg nach Europa

Donnerstag, 31. Oktober 2019
Agrarlandesrat Hiegelsberger und der georgische Landwirtschaftsminister Davitashvili haben in Tiflis ein Memorandum unterzeichnet. Angestrebt werden Kooperationen zwischen Oberösterreich und Georgien in den Bereichen Agrar und Tourismus. "Wir haben uns ausreichend über die Möglichkeiten, die Oberösterreich in Georgien hat, ausgetauscht. Das Land an der Grenze zwischen Europa und Asien kann von unserer Qualität und unserem Know-how profitieren. Oberösterreich hat neben der bereits bestehenden Zusammenarbeit zwischen Georgien und der Saatbau Linz auch etwa im Biolandbau, Tierbereich, Forst, Bergtourismus und in der Biomasse viel zu bieten", betonte Hiegelsberger.

Davitashvili bedankte sich für die Unterstützung von Oberösterreich. Der derzeit längstdienende Minister in dem Land hat zuvor als Leiter des nationalen Weininstituts maßgeblich zur Entwicklung des georgischen Weinbausektors beigetragen. Die Austrian Development Agency (ADA) ist der erste Kooperationspartner für Österreich in Georgien. Viele Initiativen und Projekte in dem osteuropäischen Land werden von NGOs getragen. Die wirtschaftlichen Kontakte von Saatbau Linz mit dem Agrarhändler Alexander Ediberidze gaben den Anstoß zu der Delegationsreise von Hiegelsberger nach Georgien.

Im Jahr 2017 haben die georgische Firma Noblex, deren Inhaber Alexander Ediberidze ist, und Saatbau ein gemeinsames Projekt für die Entwicklung der Qualitätssaatgut-Produktion in Georgien gestartet. 2019 wurden nun die ersten Saatbausorten in den neu geschaffenen georgischen Sortenkatalog eingetragen. Bei einem Potenzial von 200.000 ha Weizenfläche werden aktuell nur 60.000 ha in dem Land mit dieser Getreideart bestellt. Der Durchschnittsertrag liegt noch immer bei nur zirka 2 t/ha, auch wenn 5 t/ha bei ordentlicher Kulturführung möglich wären. Weizen wird vor allem aus den Nachbarstaaten Russland, Ukraine und Kasachstan importiert. In Georgien gibt es keine Flächenförderung, staatliche Unterstützung bekommen die Landwirte etwa für Leasing, Bewässerung, Melorationen, Wasserkosten etc.

"In den vergangenen zehn Jahren hat eine enorme Qualitätssteigerung in verschiedenen Bereichen der Landwirtschaft stattgefunden", sagte Gerhard Schaumberger von der ADA. Die Qualitätssteigerung in dem kleinen (57.215 km2 ohne Abchasien und Südossetien) sowie dünn besiedelten (65 Einwohner/km2) Land hat vor allem in der Wein- und Obstbauproduktion stattgefunden. Künftig soll auch der derzeit brachliegende Teeanbau wieder auf die Beine gestellt werden. Bei den Exportgütern aus dem Land stand vor drei Jahren noch die Haselnuss an erster Stelle, jetzt ist es der Wein, da die Haselnussernte von dem braunmarmorierten Stinkkäfer (Baumwanze) stark dezimiert wurde.

Die Landwirtschaft in Georgien ist sehr kleinteilig. Die durchschnittliche Größe eines landwirtschaftlichen Betriebes in dem Land beträgt aktuell rund 1,2 ha, die sich nach dem Zerfall der UdSSR 1991 ergeben hat. Angebaut werden in erster Linie Weizen, Mais und Erdäpfel. Das subtropische Klima im westlichen Teil des Landes ermöglicht außerdem die Produktion von Zitrusfrüchten. Die Viehhaltung in Georgien ist meist durch Familienbetriebe geprägt. Eine spezialisierte Viehhaltung mit Mastbetrieben steckt noch in den Kinderschuhen.

Georgien richtet sich strategisch primär nach Westen aus. Die georgischen Ambitionen stoßen aber an ihre Grenzen, Reformschritte werden nur zaghaft umgesetzt, weshalb eine EU-Mitgliedschaft derzeit weder realistisch ist noch bei den meisten Mitgliedstaaten auf Zuspruch trifft. Im Verhältnis zur Russischen Föderation, das nach den kriegerischen Auseinandersetzungen um Abchasien und Südossetien im August 2008 einen Tiefstand erreicht hatte, wurde seit 2012 eine pragmatischere Politik eingeschlagen. Georgien ist als Transitland für Öl und Gas aus dem Kaspischen Meer von strategischer Bedeutung.

Der Beitrag Georgiens mühseliger Weg nach Europa erschien zuerst auf Blick ins Land.


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