Schweinebauern im Krisenmodus

Die heimische Schweinewirtschaft befindet sich immer noch in einer verheerenden Zwickmühle zwischen der COVID-Pandemie und der in Europa voranschreitenden Afrikanischen Schweinepest (ASP). In den vergangenen Jahren ist in Europa eine massive Überproduktion bei Schweinefleisch entstanden. Diese ist zuletzt noch einmal sprunghaft angestiegen, als der Export von Schweinefleisch vor allem in asiatische Länder weitgehend zum Erliegen gekommen ist.

Auch die COVID-Pandemie ist seit bald zwei Jahren eine enorme Belastung für die Fleischwirtschaft, die ein maßgeblicher Vorlieferant für Gastronomie, Hotellerie und Catering ist. Eine zusätzliche Erschwernis ist, dass durch den Wegfall des Außer-Haus-Verzehrs insgesamt weniger Schweinefleisch nachgefragt wird, da sich das Einkaufsverhalten im Lebensmitteleinzelhandel vom Konsum in der Gastronomie unterscheidet. Während der aktuellen Omikron-Welle fällt zudem ein beträchtlicher Teil des Personals in der Schlacht- und Zerlegesparte aufgrund von Krankheit oder Quarantäne aus. So ist ein Flaschenhals im Bereich der Schlachtung und Zerlegung entstanden, der einen Rückstau von schlachtreifen Tieren auf den heimischen Betrieben verursacht.

In dieser Situation des permanenten Preisdrucks wurde in dieser Woche von den Abnehmern ein weiterer Preisrückgang am Schweinemarkt erzwungen. “Schon das durchschnittliche Preisniveau des Vorjahres mit einer Börsennotierung von 1,53 Euro pro kg Schlachtgewicht zählt zu den drei schlechtesten des vergangenen Jahrzehntes”, erklärt Johann Schlederer, Geschäftsführer der Österreichischen Schweinebörse. “Beim aktuellen Preisniveau von 1,40 Euro pro kg Schlachtgewicht fehlen den österreichischen Ferkelerzeugern zirka 30 Euro je Ferkel und den Schweinemästern zirka 25 Euro je schlachtreifem Schwein zur Kostendeckung.”Schlederer warnt: “Dass bei dieser Marktsituation mehr Bauern denn je das Handtuch werfen, ist klar. Zu allem Überdruss sind so wie in allen anderen Wirtschaftsbereichen die Kosten für Betriebsmittel wie Energie oder Futter stark gestiegen. Wir sind momentan von einer rentablen Schweineproduktion weit entfernt.”

Der Verband Österreichischer Schweinebauern (VÖS) fordert daher, die bestehenden Instrumente zur COVID-Hilfe für österreichische Schweinebäuerinnen und -bauern als systemrelevanter Teil der Lebensmittelproduktion auch in dieser schwierigen Marktsituation einzusetzen. Raimund Tschiggerl, Geschäftsführer der Styriabrid GmbH, sieht auch die EU in der Verantwortung: “Die EU-Agrarpolitik ist hier gefordert, nachhaltige Konzepte für die europäische Schweineproduktion auf den Tisch zu legen. Nur Tierschutzbestimmungen zu beschließen, ist zu wenig”.

VÖS-Obmann Walter Lederhilger: “Wir appellieren außerdem an alle Partner entlang der Wertschöpfungskette bis hin zu den Konsumentinnen und Konsumenten, beim Einkauf auf österreichisches, mit dem AMA-Gütesiegel ausgezeichnetes Schweinefleisch zu setzen.” Auch eine lückenlose Umsetzung der Herkunftskennzeichnung bis hin zur Gastronomie ist eine alternativlose Maßnahme, um auch in Zukunft die Versorgung mit heimischen Lebensmitteln in Österreich gewährleisten zu können. (APA)

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