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Wettbewerb um Online Handel im Agrarbereich

Während in den meisten Bereichen der Onlinehandel bereits zu den stärksten umkämpften Märkten gehört und Tür und Tor für die verschiedenste Mitbewerber öffnet gibt der Agrarsektor hier noch ein ganz eigenes Bild wieder. Derzeit wird der Markt um Saatgut, Dünger und Landwirtschaftlichen Hilfsmittel fast ausschließlich von den großen Konzernen der Branche dominiert, Neueinsteiger stoßen beim Markteintritt auf starken Widerstand.

Das Geschäft in der Landwirtschaft verläuft heutzutage noch immer stark fokussiert auf den stationären Handel. Onlinebestellungen gehören hier noch zu den Randerscheinungen und zeigen hie eine Digitalisierungslücke auf. Jedoch hat hierbei bereits der Wettstreit um die Besetzung der besten und profitabelsten Bereiches des Onlinehandels für die Landwirtschaft begonnen. Die besten Chancen ergeben sich hierbei für die bereits bekannten großen Konzerne, die im stationären Handel bereits den Großteil des Marktes beherrschen. Der Schlüssel zum Erfolg könnte dabei wie in vielen Bereichen in gesammelten Daten liegen. Hier führt etwa kaum ein Weg über Bayer, welches durch die Fusion mit Monsanto eine bedeutende Datenhoheit besitzt, oder Syngenta welches vom chinesischen Staatskonzern ChemChina übernommen wurde.  Bereits vorhandene Entwicklungen hierbei sind Climate FieldView von Bayer und Xarvio von BASF welche auf Basis von Klima- und Anbaudaten den idealen Zeitpunkt für das Säen vorschlagen.

Neben den bekannten Konzernen wollen jedoch auch Neueinsteiger im Digitalisierungswettbewerb um die Agrarwirtschaft mitspielen. Etwa das Start-up Farmer Business Network (FBN) aus dem Silicon Valley welches Ertragsteigerung durch die Nutzung von Big Data, Schwarmintelligenz und Algorithmen erreichen will. Jedoch kommt es hier zu starken Widerstand, da durch dieses Vorgehen Preise für Agrarchemie transparent gemacht werden würden, welche von den bekannten großen Konzernen festgelegt werden. Ursache dafür ist das Kernprodukt von FBN, ein Vergleichsportal, durch das Landwirte Informationen über die Preise von Agrarprodukten bei unterschiedlichen Anbietern erhalten sollten.

Seit seiner Gründung im Jahr 2014 konnte FBN bei diversen Investoren 570 Millionen Dollar einsammeln, was das Potential des Projekts verdeutlich, jedoch steht das Portal vor einem ganz anderem Problem. Durch sein Geschäftsmodell ist das Portal bei den großen Agrarkonzern nicht beliebt, was dazu führt, dass in Mail- und Briefkampagne vor dem Portal gewarnt wurde und was zudem zum großen Problem führte, dass Agrarkonzerne einen Verkauf ihrer Produkte an das Start-up verweigerten. Auch wurden Zwischenhändler, welche von FBN übernommen wurden nicht mehr mit Produkten beliefert.

Die Digitalisierung in der Landwirtschaft führt auch zu zahlreichen Bedenken. So würden mit Big Data die Daten von vielen kleinen Betrieben in ein zentrales Netzwerk einfließen. Dadurch könnte etwa die Abhängigkeit steigen, da Mitglieder dazu verpflichtet werden könnten entsprechende Produkte des Betreibers zu kaufen. Auch könnten diese Netzwerk die Vielfalt in der Landwirtschaft bedrohen, für alternative Formen könnte der bereits knappe Markt noch weiter zusammenschrumpfen und Landwirte würden zunehmend abhängiger von den abgestimmten einheitlichen Produkte der Konzerne werden. Dies könnte dann dazu führen, dass die Vielfalt von Saatgut und Zuchttierarten abnimmt und eine Industrialisierung begünstigt werden könnte.