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Vielfältiger Druck auf heimische Milchbauern

 

„Unsere Milchbauern haben gezeigt, dass sie die Versorgung der Bevölkerung in Krisenzeiten sicherstellen können. Ich sehe diese Versorgungssicherheit langfristig aber gefährdet“, warnt Landwirtschaftskammer (LK) Kärnten-Präsident Johann Mößler anlässlich des bevorstehenden Weltmilchtages am 1. Juni. Denn der Strukturwandel in der heimischen Milchwirtschaft schreite unaufhaltsam fort. So sperren laut Mößler in Kärnten pro Jahr im Durchschnitt rund 50 Milchbauern ihre Stalltür für immer zu, was einen jährlichen Rückgang von zirka 3% bedeute. Die produzierte Milchmenge bleibe zwar stabil, die Sicherung der Versorgung werde somit aber auf immer weniger Betriebe aufgeteilt.“Für diese Entwicklung trägt der Lebensmitteleinzelhandel eine Mitverantwortung“, kritisiert Mößler in diesem Zusammenhang vor allem die Eigenmarkenpolitik des Handels. Diese erlaube es den Handelsketten, massiv Druck auf die heimische Milchwirtschaft auszuüben, weshalb der Anteil der Bauernpreise an den Verbraucherpreisen in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken sei. „Bei Trinkmilch bekommt der Bauer nur noch 30% vom Konsumentenpreis, im Jahr 2013 waren es noch 34%. Für die Milchbauern wird es dadurch immer schwieriger, ihre steigenden Produktionskosten zu decken“, veranschaulicht der LK-Präsident.
Darüber hinaus machten Eigenmarken des Handels die heimischen Milchlieferanten austauschbar. „In vielen dieser Marken in der Hand des Lebensmittelhandels verstecken sich bereits jetzt ausländische Rohstoffe. Während Kärntens Milchviehbetriebe in den letzten Wochen gezwungen waren, ihre Produktion zu reduzieren oder Preisabschläge hinzunehmen, haben Teile des Lebensmittelhandels in der Krise massiv auf diese Eigenmarkenprodukte gesetzt“, zeigt Mößler auf. „Es kann nicht sein, dass heimische Bauern auf ihrer Milch sitzen bleiben, während sich in Eigenmarkenprodukten Milch aus Dänemark, Tschechien oder sonst woher versteckt – nicht gentechnikfrei und mit einem großen CO2-Rucksack am Buckel“, so Mößler.
„Leider werden Milch und Molkereiprodukte vom Handel häufig als Lockangebot missbraucht“, klagt auch die OÖ Landesbäuerin Johanna Haider. Die Bauern könnten ihre Leistungen auf Dauer nur dann erbringen, wenn für die produzierte Milch auch rentable Preise erzielt werden. „Nur dann gibt es eine echte Perspektive für die heimischen Milchviehbetriebe und nur dann kann sichergestellt werden, dass die Kulturlandschaft auch weiterhin erhalten und gepflegt wird“, so Haider. In Österreich hänge jeder sechste Arbeitsplatz mit der Erzeugung von Lebensmitteln und der Landwirtschaft zusammen. Die Milchproduktion sei dabei eine der wichtigsten Einkommensquellen für den heimischen Agrarsektor. Sie präge zudem auch maßgeblich das Landschaftsbild. „Rund 75% der Milch und der Molkereiprodukte stammen aus Berg- und benachteiligten Gebieten, ein weiterer wichtiger Grund für den Konsum heimischer Milchprodukte. Wer österreichische Milch und Molkereierzeugnisse kauft, der legt nicht nur wertvolle Lebensmittel, sondern auch Lebensqualität, Versorgungssicherheit, Heimat und Arbeitsplätze in den Einkaufskorb“, lautet die klare Botschaft der OÖ Landesbäuerin.
„Unsere Milchproduzenten sorgen während der Corona-Krise dafür, dass es zu keinen Engpässen in den Regalen kommt. Wir sind in diesem Bereich nicht von Importen abhängig. Damit das so bleibt, braucht es allerdings auch in Zukunft ein entsprechendes Bekenntnis zur Regionalität“, appelliert LK Tirol-Präsident Josef Hechenberger. Aber nicht nur mengenmäßig sei der Milchkonsum in Tirol abgesichert: „Unsere heimischen Milchverarbeiter genügen höchsten Qualitätsansprüchen. Sie produzieren nach höchsten Hygienestandards und liefern so nicht nur tolle, sondern auch sichere Produkte. Wer zu einem Tiroler Milchprodukt greift, kann sich zu 100% sicher sein, dass dieses hormon- und gentechnikfrei erzeugt wurde“, betont der Tiroler LH-Stellvertreter Josef Geisler. „Die Rahmenbedingungen für diese lebensnotwendigen Produktionssparten müssen auch in krisenfreien Zeiten passen“, sind sich Geisler und Hechenberger einig.

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